Projektideen der Modellregionen

GUTE BEISPIELE

PROJEKTIDEEN DER MODELLREGIONEN

Mit dem Modellvorhaben "Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen" will das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur einen Beitrag dazu leisten, gleichwertige Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen zu gewährleisten. 18 Modellregionen werden dabei unterstützt, Daseinsvorsorge, Nahversorgung und Mobilität besser zu verknüpfen, um so die Lebensqualität ihrer Bewohner zu verbessern und wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.

 

Dem derzeitigen Modellversuch ist ein "Probelauf" mit der Region Nordfriesland vor-ausgegangen, der demonstriert, welche Ergebnisse im Rahmen des Vorhabens er-reichbar sind.  Eine Übersicht über die 18 Modellregionen, die sich in einem Wettbe-werbsverfahren durch besondere Projektideen für den Großversuch qualifiziert ha-ben, findet man unter dem Link

 http://www.modellvorhaben-versorgung-mobilitaet.de/modellregionen/ .

 

Die Projektideen der Modellregionen reichen von der Einrichtung barrierefreier Rad- und Busstationen über die zentrale Koor-dinierung von Krankenhaustransporten als Teil des öffentlichen Nahverkehrs bis hin zum Aufbau eines Dorfzentrums mit Dorf-laden, in dem nicht nur Güter des täglichen Bedarfs angeboten werden, sondern auch Dienstleistungen von Arzt bis zum Frisör und z.B. ein Café integriert wird.

 

Der Vogelsbergkreis hat sich mit nachfolgender Projektskizze für eine Aufnahme in das Modellprojekt empfohlen: 

Die Region des Vogelsbergkreises wird im Rahmen des Modellvorhabens „Lang-fristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ innovative Konzepte, mit denen in Zukunft sowohl die Daseinsvorsorge und Nahversorgung als auch die Mobilität gewährleistet werden können, erarbeiten. Die wichtigsten Ele-mente dieses Konzeptes sind:

  • die Erarbeitung von Kooperationsraumkonzepten, welche einen integrativen Ansatz verfolgen, um die Zukunftsfähigkeit der Stand-orte und die heutige Erreichbarkeit der Daseinsvorsorgeeinrichtun-gen zu analysieren sowie interkommunale Handlungsempfehlungen für die Zukunft abzuleiten,
  • die Erarbeitung eines integrierten Mobilitätskonzeptes für den gesamten Landkreis auf Basis des vorhandenen ÖPNV-Netzes in Kombination mit alternativen Mobilitätsformen und einem Schwerpunkt auf wenig oder immobile Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, etc.),
  • das Umsetzungsprojekt „Multimodale Mobilität konkret“ mit der Verknüpfung von Ansätzen zum Mobilitätsmanagement und Kommu-nikationstechniken (Information und Beratung) und der Vernetzung verschiedener Mobilitätsmöglichkeiten sowie deren Erprobung in den Kooperationsräumen,
  • die Entwicklung von Image- und Kommunikationsstrategien zur Erhöhung der Bekanntheit, zur Umsetzung innovativer Ansätze sowie zur Überprüfung der Akzeptanz von Mobilitätsangeboten in der Ge-sellschaft (sozio-technischer Wandel),
  • ein interdisziplinär ausgerichteter, diskursiver Beteiligungs-prozess mit allen relevanten Akteuren der Daseinsvorsorge (Bürge-rinnen und Bürger, Initiativen und Verbände, Wirtschaftsakteure sowie politische Vertreter)

Das hier aufgelistete Programm wirkt ein wenig "verklausuliert" und verrät wohl nur dem Eingeweihten, was hier eigentlich konkret geleistet werden soll.

Mit der "Erarbeitung von Kooperationsraumkonzepten" dürfte gemeint sein, zunächst einmal festzustellen, welche "Räume" (Gemeinden) sich für Koopera-tionen anbieten (geplant sind 2-4 Beispielprojekte), um dann Vorstellungen zu entwickeln, in welchen Orten man die schon vorhandenen zentralen Versor-gungseinrichtungen weiter ausbaut, um andere Orte in deren Einzugsgebiet mitversorgen zu können. Hierzu bedarf es eines verbesserten Beförderungs-angebots über den bestehenden ÖPNV hinaus, damit diese Versorgungs-zentren attraktiv bleiben und auch ohne eigenen PKW aus dem gesamten Um-land gut zu erreichen sind. In diesem Zusammenhang spricht man von einem auf die Standortplanung abgestimmten "integrierten Mobilitätskonzept", das in dem Aufruf des BMV zu dem Modellvorhaben sehr plausibel erklärt wird:  

 

Auf Grundlage dieser Standortplanung soll die Erreichbarkeit der Einrichtun-gen/Angebote durch ein hierauf abgestimmtes integriertes Mobilitätskonzept gewährleistet werden. Dieses soll herkömmliche Angebote und Strukturen des ÖPNV mit innovativen flexiblen Mobilitätsangeboten kombinieren, öffentliche, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure einbinden sowie zur Ver-netzung, Information, Buchung und Bezahlung moderne Informations- und Kom-munikationstechnologien einsetzen. Ziel ist ein flexibler Mix an Mobilitätsangeboten, mit dem die Menschen die regionalen Versorgungsorte mit ihren unterschiedlichen Funktionen mit einem vertretbaren zeitlichen und finanziellen Aufwand erreichen können.

Aus dem Kriterium des vertretbaren zeitlichen und finanziellen Aufwands ergibt sich, dass man nicht ausschließlich die - in der MORO-Terminologie - "starken Orte" des Typs A "weiter stärken" kann, denn diese sind innerhalb des Kreisgebietes recht un-regelmäßig verteilt. Zentral liegt eigentlich nur die Kreisstadt Lauterbach, während andere "Mittelzentren" wie Alsfeld, Homberg, Schlitz und Schotten deutlich am Rand des Kreisgebiets angesiedelt sind. Sie üben einen starken Sog auf unmittelbar benachbarte Gemeinden geringerer Größe (auch in den Nachbarkreisen) aus. Andere Städte und Gemeinden gelten als "stark" (mindestens Typ B nach Moro-Kategorien), sind aber trotz eigener Zentralfunktion starken Fliehkräften infolge der Anziehungskraft von Nachbargemeinden mit attraktiverer Einzelhandelsstruktur bzw. touristischer Attraktivität ausgesetzt. Ulrichstein z.B. leidet ohmabwärts unter einem Abfluss der Käuferströme nach Mücke, im westlichen Bereich nach Schotten und Nidda und sogar Grünberg, im südöstlichen Bereich nach Lauterbach und Fulda. Hier müsste überlegt werden, die Kernstadt Ulrichstein als Versorgungszentrum und Tourismusort aufzuwerten, um dem Niedergang entgegen zu steuern.

 

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